Antrag „Ingrid-Meybohm-Weg“

Antrag:

Die Fraktionen Bündnis90/Die Grünen und SPD beantragen, dass die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Hungen nach vorheriger Behandlung in den zuständigen Ausschüssen gemäß § 12 Abs. 2, Satz 3 der Geschäftsordnung der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Hungen folgendes beschließen möge:

Die Stadtverordnetenversammlung beschließt, den Fußweg von der Albert-Schweitzer-Straße unterhalb des Rodtbergs entlang durch den Grassee bis zur Lindenstraße mit dem Namen „Ingrid-Meybohm-Weg“ zu benennen.

Begründung:

Ingrid Meybohm war mehr als 40 Jahre lang als Lehrerin an der Gesamtschule Hungen tätig. Sie war vor allem wegen ihres freundlichen Wesens sehr beliebt und sah neben dem fachlichen Aspekt auch immer den individuellen Lernbedarf ihrer Schülerinnen und Schüler. In diesem Sinne hat sie sich gerade für die schwächeren Schülerinnen und Schüler eingesetzt. Um der ihr wichtigen Verbindung zu den Grundschulen willen ließ sie sich nach Villingen und Inheiden abordnen und führte ihre dortigen Klassen dann später an der Gesamtschule weiter.

Ingrid Meybohm war1984 Mitgründerin des Hungener Stadtverbandes der Grünen. Ihre Partei vertrat sie von 1997 bis zu ihrem Tode im Ortsbeirat. Dort war Ingrid Meybohm mit ihrem großen Wissen über ihre Heimatstadt immer eine kluge Ratgeberin, die zugleich mit ihrer positiven Lebenseinstellung ihre politischen Mitstreiter beständig motivierte.

Neben ihrem kommunalpolitischen Engagement übte sie zahlreiche ehrenamtliche Tätigkeiten aus, z. B. in der Flüchtlingshilfe und im Erzählcafé des Vereins zur Förderung einer Stätte der Kultur, Beratung und Begegnung im heutigen Hungener Kulturzentrum in der alten Grundschule. Ingrid Meybohm war gewissermaßen „Erfinderin“ und bis zuletzt Motor dieser beliebten Einrichtung.

Ingrid Meybohm war 1988 Mitgründerin der Arbeitsgruppe Spurensuche. Sie gehörte zu denen, denen es gelang, die Hungener Bevölkerung und die politischen Mandatsträger davon zu überzeugen, ein dauerhaftes Gedenken an jüdisches Leben in Hungen durch das Aufstellen eines Gedenksteins mit den Namen der Ermordeten zu verankern. Mit ihrer wohltuenden tiefen Stimme und ihrem klaren Vortrag, den sie viele Jahre  bei den Gedenkfeiern am Judenfriedhof übernahm, verlieh sie den ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürgern Hungens alljährlich den Respekt und die Würde, die ihnen die Nazis genommen hatten. Mit Nachfahren der jüdischen Familien in Hungen stand sie vielfältig in Kontakt.

Zuletzt hatte sie auf die Stolpersteine verwiesen, die vor einigen Häusern in Hungen, in denen jüdische Familien lebten, auf Initiative der AG Spurensuche in den Boden eingelassen wurden. Von den Spenden bei ihrem Begräbnis wurden in ihrem Sinne weitere Stolpersteine in Hungen verlegt.

Die schöne Natur in und um Hungen lag ihr sehr am Herzen – viele Jahre war sie eine begeisterte Wanderin, bis ihr dies durch gesundheitliche Einschränkungen nicht mehr möglich war.

Es gibt – nicht nur – in Hungen viele Menschen, denen Ingrid Meybohm auch ganz individuell geholfen hat und viele, die sich weiterhin gerne an ihre warmherzige und mitmenschliche Wesensart erinnern.

Sie ist daher eine sehr würdige Namensträgerin für den o.g. schönen Spazierweg durch Hungen.